Punchin’ the cloud

Der Tanz der Algorithmen

Volkstümliches Kaspertheater knallt auf digitale Dramaturgie.

Seppl steht auf Seppl-Optimierungs-Apps – Gretel nutzt selbstverständlich die Baby-App … sie ist ja nicht blöd; Großmutter versteht die Spielregeln nicht; Kasper braucht erst mal ein Profil, der Teufel reibt sich die Hände und 1 und 0 feiern ein Fest!

Der digitale globale Totalitarismus und seine Konsequenzen analog aufbereitet verständlich für jedermann…. 

Wir setzen das analoge Leben dem Waschgang der Digitalisierung aus. Stichworte sind Selbstoptimierung, Ranking, permanente Verfügbarkeit, Standardisierung versus Individualität… Was gilt das fossile Krokodil da wo die digitalmoderne glatte Schönheit gilt? Welche Duftmarken setzt Großmutter mit ihrem Kuchen in der jung dynamisch digitalen Vernetzung? Ist Kasper ein altmodischer Antiheld – oder die Identifikationsfigur des 21. Jahrhunderts: bedürfnisorientiert, egozentrisch, rücksichtslos? Braucht es Helden, die sich zur Wehr setzen, wenn wir alle frei sind?

Auf der Bühne zunächst analoger romantischer Alltag, in den wir wie Emotions-Ingenieure digitale Erfahrungsimpulse setzen. Beiläufig zieht der Teufel in den obersten Stock, errichtet sein beherrschbares Strukturgebäude. Andere behaupten auch einen Platz darin. Es wird eng. Bewegung erfolgt nur noch abgesprochen, ob nach oben oder unten, es wird standardisiert, berechnet … taktvoll im Hintergrund optimieren die Algorithmen den Rahmen. Ein großes Schiebepuzzle: Bilder entstehen und vergehen – solange es Leerstellen gibt… Und um diese entbrennt ein existentieller Kampf…

Wir spinnen die Fäden von Künstlern weiter, die seit den 1940er Jahren die Digitalisierung antizipierten und für den heutigen Zeitpunkt hochrechneten – mittels der holzschnittartigen und radikal anarchischen Form des alten Puppenspiels. Wir verpflichten u.a. Kasper als Urbild des Instinktgelenkten mit Wut und Lust, Teufel mit göttlichem Allmachtswunsch, Seppel als Follower und statten sie mit dem Potential digitaler Möglichkeiten aus. Handpuppendynamik im starken Kontrast zur 2nd Hand Erfahrung des digitalen Zeitalters.

Produktion: puppen.etc
Spiel: Max Howitz und Christiane Klatt
Regie: Kristina Feix

Dramaturgie: Silvia Stutzmann

Musik: Felix Kroll (Akkordeon)

Ausstattung: Silvia Eisele und Christiane Klatt